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Wissen · Messtechnik

Welchen Einfluss die Wahl der Tastkugel auf das Messergebnis hat

Die gleiche Messung mit einer anderen Tastkugel liefert einen anderen Wert. Bei Ebenheit, Geradheit und Rundheit hängt der Zahlenwert direkt vom Kugeldurchmesser ab, und bei engen Toleranzen entscheidet er mit über konform oder nicht konform.

Messtechnik Christian Schärer · 14. August 2026

Der Effekt ist rein geometrisch. Eine Kugel mit Radius r berührt ein integrales Geometrieelement nur dort, wo die Krümmung es zulässt. Über engen Einzügen liegt sie auf beiden Flanken auf und überbrückt sie. Ihr Mittelpunkt bleibt dabei immer genau r vom Element entfernt, und dieser Mittelpunkt ist es, was das Messgerät aufzeichnet. Die Kugel wirkt damit als Filter, das keine Softwareeinstellung mehr aufhebt.

So funktioniert die Grafik
In der Grafik unten laufen drei Rubinkugeln nacheinander über dasselbe Profil. Jede zieht ihre Mittelpunktlinie in einer eigenen Farbe. Die Linien bleiben stehen, bis der Durchlauf wiederholt wird, damit die drei Verläufe direkt vergleichbar sind. Einstellbar sind die drei Durchmesser und die Istabweichung des Profils in drei Stufen.

Was die Grafik zeigt

Mit einer kleinen Kugel folgt die Mittelpunktlinie der Abweichung des Geometrieelements noch fast überall. Mit steigendem Durchmesser überbrückt die Kugel immer breitere Einzüge, und die aufgezeichnete Linie wird flacher. Bei 5 mm liegt sie nur noch auf den weit auseinanderliegenden Erhebungen auf. Nichts davon ist ein Rechenfehler, sondern die Geometrie des Tastelements.

Der Kugeldurchmesser ist damit selbst ein Filterparameter. Er wirkt, bevor eine Filtereinstellung in der Software überhaupt zum Zug kommt, und er lässt sich nachträglich nicht rückgängig machen: was die Kugel überbrückt hat, steht in den Messdaten nicht mehr zur Verfügung. Fachleute nennen diesen Effekt morphologisches Filter.

Formabweichungen: hier wirkt die Kugelwahl direkt

Bei der taktilen Messung ist die Wahl des richtigen Tastkugeldurchmessers deshalb entscheidend. Ebenheit, Geradheit und Rundheit werden am aufgezeichneten Verlauf ausgewertet und fallen am selben Geometrieelement kleiner aus, wenn mit einer grösseren Kugel angetastet wird. Wie stark, beziffert die Tabelle unter der Grafik. Wer zwei Ergebnisse vergleicht, vergleicht nur dann dasselbe, wenn der Kugeldurchmesser derselbe ist.

Bei weiten Toleranzen bleibt der Unterschied ohne Folgen. Bei engen wird er zum Anteil der Toleranz: liegt eine Ebenheit im Hundertstelbereich vor und glättet die grössere Kugel einen erheblichen Teil der Abweichung weg, kann dasselbe Bauteil mit einer Kugel konform und mit einer anderen nicht konform gemessen werden. Beide Messungen sind korrekt durchgeführt. Vergleichbar sind sie nicht.

Für die Geradheit gilt ISO 1101. Entscheidend ist in jedem Fall: Zu einem Formwert gehören die Messbedingungen, und dazu zählt der Kugeldurchmesser. In Formplots und Abweichungsanalysen sollte der Kugelradius deshalb zwingend angegeben sein. Fehlt er, lässt sich die Darstellung kaum interpretieren, weil offen bleibt, was die Kugel bereits weggefiltert hat.

In der Konturmessung ist der Zusammenhang noch direkter. Aufgezeichnet wird die Mittelpunktbahn des Tastarms. Radien, Winkel und Konturzüge entstehen erst nach der Tasterradiuskorrektur, und diese Korrektur kann nur so gut sein, wie der Radius bekannt ist. An Innenradien kleiner als der Tastradius entstehen gar keine Messwerte, weil die Kugel dort nicht hineinkommt.

Kein Software-Filter macht das rückgängig

Ein Software-Filter, etwa das Gauss-Filter, mittelt den aufgezeichneten Verlauf und lässt sich einstellen. Die Kugel filtert vorher und rein geometrisch — wie ein Gegenstück in der Montage, das feine Einzüge ebenfalls nie erreicht. Was sie überbrückt hat, holt keine Auswertung zurück.

Was in die Messanweisung gehört

Kugeldurchmesser des Tastelements, bei der Konturmessung zusätzlich der Tastradius
Filtertyp und Filtereinstellung der Auswertung
Lage, Richtung und Länge der Messspur am Geometrieelement

Fehlen diese Angaben, sind zwei Messergebnisse desselben Bauteils nicht vergleichbar, obwohl beide korrekt gemessen wurden. In der Zeichnungsprüfung ist das einer der häufigsten Punkte, den wir ergänzen.

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Welchen Einfluss die Wahl der Tastkugel auf das Messergebnis hat

Die gleiche Messung mit einer anderen Tastkugel liefert einen anderen Wert. Bei Ebenheit, Geradheit und Rundheit hängt der Zahlenwert direkt vom Kugeldurchmesser ab, und bei engen Toleranzen entscheidet er mit über konform oder nicht konform.

Messtechnik Christian Schärer · 14. August 2026

Der Effekt ist rein geometrisch. Eine Kugel mit Radius r berührt ein integrales Geometrieelement nur dort, wo die Krümmung es zulässt. Über engen Einzügen liegt sie auf beiden Flanken auf und überbrückt sie. Ihr Mittelpunkt bleibt dabei immer genau r vom Element entfernt, und dieser Mittelpunkt ist es, was das Messgerät aufzeichnet. Die Kugel wirkt damit als Filter, das keine Softwareeinstellung mehr aufhebt.

So funktioniert die Grafik
In der Grafik unten laufen drei Rubinkugeln nacheinander über dasselbe Profil. Jede zieht ihre Mittelpunktlinie in einer eigenen Farbe. Die Linien bleiben stehen, bis der Durchlauf wiederholt wird, damit die drei Verläufe direkt vergleichbar sind. Einstellbar sind die drei Durchmesser und die Istabweichung des Profils in drei Stufen.
Istabweichung des Profils
Profilhöhe Pt {{ profilPt }} mm
Geänderte Werte übernimmt der nächste Durchlauf.
Integrales Geometrieelement mit fiktiver Abweichung Rubinkugel am Taststift Aufgezeichnete Verläufe je Kugel
Verlauf
Pt in mm
geglättet um
Integrales Geometrieelement
{{ profilPt }}
Kugel 1 · {{ t1 }} mm
{{ pt1 }}
{{ g1 }}
Kugel 2 · {{ t2 }} mm
{{ pt2 }}
{{ g2 }}
Kugel 3 · {{ t3 }} mm
{{ pt3 }}
{{ g3 }}
Länge und Höhe im gleichen Massstab, Fensterbreite 24 mm. Pt ist die Gesamthöhe des jeweiligen Verlaufs. Die Profilamplitude ist gegenüber einem realen Rauheitsprofil vergrössert, damit die Wirkung sichtbar bleibt.

Was die Grafik zeigt

Mit einer kleinen Kugel folgt die Mittelpunktlinie der Abweichung des Geometrieelements noch fast überall. Mit steigendem Durchmesser überbrückt die Kugel immer breitere Einzüge, und die aufgezeichnete Linie wird flacher. Bei 5 mm liegt sie nur noch auf den weit auseinanderliegenden Erhebungen auf. Nichts davon ist ein Rechenfehler, sondern die Geometrie des Tastelements.

Der Kugeldurchmesser ist damit selbst ein Filterparameter. Er wirkt, bevor eine Filtereinstellung in der Software überhaupt zum Zug kommt, und er lässt sich nachträglich nicht rückgängig machen: was die Kugel überbrückt hat, steht in den Messdaten nicht mehr zur Verfügung. Fachleute nennen diesen Effekt morphologisches Filter.

Formabweichungen: hier wirkt die Kugelwahl direkt

Bei der taktilen Messung ist die Wahl des richtigen Tastkugeldurchmessers deshalb entscheidend. Ebenheit, Geradheit und Rundheit werden am aufgezeichneten Verlauf ausgewertet und fallen am selben Geometrieelement kleiner aus, wenn mit einer grösseren Kugel angetastet wird. Wie stark, beziffert die Tabelle unter der Grafik. Wer zwei Ergebnisse vergleicht, vergleicht nur dann dasselbe, wenn der Kugeldurchmesser derselbe ist.

Bei weiten Toleranzen bleibt der Unterschied ohne Folgen. Bei engen wird er zum Anteil der Toleranz: liegt eine Ebenheit im Hundertstelbereich vor und glättet die grössere Kugel einen erheblichen Teil der Abweichung weg, kann dasselbe Bauteil mit einer Kugel konform und mit einer anderen nicht konform gemessen werden. Beide Messungen sind korrekt durchgeführt. Vergleichbar sind sie nicht.

Für die Geradheit gilt ISO 1101. Entscheidend ist in jedem Fall: Zu einem Formwert gehören die Messbedingungen, und dazu zählt der Kugeldurchmesser. In Formplots und Abweichungsanalysen sollte der Kugelradius deshalb zwingend angegeben sein. Fehlt er, lässt sich die Darstellung kaum interpretieren, weil offen bleibt, was die Kugel bereits weggefiltert hat.

In der Konturmessung ist der Zusammenhang noch direkter. Aufgezeichnet wird die Mittelpunktbahn des Tastarms. Radien, Winkel und Konturzüge entstehen erst nach der Tasterradiuskorrektur, und diese Korrektur kann nur so gut sein, wie der Radius bekannt ist. An Innenradien kleiner als der Tastradius entstehen gar keine Messwerte, weil die Kugel dort nicht hineinkommt.

Kein Software-Filter macht das rückgängig

Ein Software-Filter, etwa das Gauss-Filter, mittelt den aufgezeichneten Verlauf und lässt sich einstellen. Die Kugel filtert vorher und rein geometrisch — wie ein Gegenstück in der Montage, das feine Einzüge ebenfalls nie erreicht. Was sie überbrückt hat, holt keine Auswertung zurück.

Was in die Messanweisung gehört

Kugeldurchmesser des Tastelements, bei der Konturmessung zusätzlich der Tastradius
Filtertyp und Filtereinstellung der Auswertung
Lage, Richtung und Länge der Messspur am Geometrieelement

Fehlen diese Angaben, sind zwei Messergebnisse desselben Bauteils nicht vergleichbar, obwohl beide korrekt gemessen wurden. In der Zeichnungsprüfung ist das einer der häufigsten Punkte, den wir ergänzen.

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Messtechnik Grenzwellenzahl und Grenzwellenlänge Beitrag lesen → Messtechnik Tastereinmessung: die Messung vor der Messung Beitrag lesen →
Christian Schärer
Christian Schärer
Inhaber und Geschäftsleiter · Normenausschuss Swissmem NK1
Veröffentlicht 14. August 2026