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Wissen · ISO-GPS
Versetzte Toleranzzone UZ: Wohin die Zone wandert

«2.5 UZ−0.5» heisst: Die Toleranzzone ist 2.5 breit und liegt um 0.5 ins Material verschoben. Was das Vorzeichen bedeutet, wie ISO 1101 die Zone konstruiert und warum Fertigung und Prüfung den Versatz kennen müssen.

ISO-GPS Christian Schärer · 2. September 2026

Eine Profiltoleranz ohne Zusatz legt die Zone symmetrisch um das theoretisch exakte Geometrieelement, kurz TEF: die Hälfte der Toleranz nach aussen, die Hälfte ins Material. Für viele Funktionen passt das nicht. Eine Dichtfläche darf zurückstehen, aber nicht überstehen. Eine Gussform braucht Aufmass für die Nacharbeit. Früher wurde dafür die Nennkontur im CAD verschoben oder die Toleranz mit Plus- und Minusanteilen umschrieben. ISO 1101 löst das direkt im Toleranzindikator, mit dem Modifikator UZ.

UZ steht für «unequally disposed zone», die ungleich verteilte Zone. ISO 1101 nennt die Angabe spezifizierter Versatz der Toleranzzone: Der Wert nach UZ trägt ein Vorzeichen und verschiebt die ganze Zone gegenüber dem TEF. Die Breite der Zone bleibt, was die Toleranz sagt. Neu ist ihre Lage.

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Versetzte Toleranzzone UZ: Wohin die Zone wandert

«2.5 UZ−0.5» heisst: Die Toleranzzone ist 2.5 breit und liegt um 0.5 ins Material verschoben. Was das Vorzeichen bedeutet, wie ISO 1101 die Zone konstruiert und warum Fertigung und Prüfung den Versatz kennen müssen.

ISO-GPS Christian Schärer · 2. September 2026

Eine Profiltoleranz ohne Zusatz legt die Zone symmetrisch um das theoretisch exakte Geometrieelement, kurz TEF: die Hälfte der Toleranz nach aussen, die Hälfte ins Material. Für viele Funktionen passt das nicht. Eine Dichtfläche darf zurückstehen, aber nicht überstehen. Eine Gussform braucht Aufmass für die Nacharbeit. Früher wurde dafür die Nennkontur im CAD verschoben oder die Toleranz mit Plus- und Minusanteilen umschrieben. ISO 1101 löst das direkt im Toleranzindikator, mit dem Modifikator UZ.

UZ steht für «unequally disposed zone», die ungleich verteilte Zone. ISO 1101 nennt die Angabe spezifizierter Versatz der Toleranzzone: Der Wert nach UZ trägt ein Vorzeichen und verschiebt die ganze Zone gegenüber dem TEF. Die Breite der Zone bleibt, was die Toleranz sagt. Neu ist ihre Lage.

Kernaussage UZ verschiebt die Zone. Ihre Breite bleibt. Ein negativer Wert schiebt die Zone ins Material, ein positiver aus dem Material heraus. Das Vorzeichen richtet sich nach dem Material. Welche Seite in der Zeichnungsansicht oben liegt, spielt keine Rolle.

So lesen Sie 2.5 UZ−0.5

Toleranz t 2.5 Breite der Zone. Sie bleibt gleich, unabhängig vom Versatz.
Versatz UZ −0.5 Das Referenzgeometrieelement liegt 0.5 vom TEF entfernt, im Material. Um diese Linie ist die Zone zentriert.
Zonengrenzen +0.75 / −1.75 Die Zone reicht 0.75 aus dem Material heraus und 1.75 hinein. Eine Kontur auf Nennmass liegt damit nicht in der Zonenmitte.

Die Konstruktion nach ISO 1101 läuft in zwei Schritten. Zuerst entsteht aus dem TEF das Referenzgeometrieelement: Kugeln mit dem Durchmesser des UZ-Betrags rollen am TEF entlang, bei negativem Wert auf der Materialseite, bei positivem aussen. Ihre Hüllfläche ist das versetzte Element. Dann rollen Kugeln mit dem Durchmesser der Toleranz mit ihrem Mittelpunkt auf diesem Referenzelement. Ihre Hüllflächen bilden die beiden Grenzen der Zone.

Die Kugeln sorgen dafür, dass der Versatz an gekrümmten Konturen überall senkrecht zur Fläche steht. An einer konvexen Stelle läuft die äussere Grenze weiter, die innere enger; an einer Ecke entsteht ein Radius. Ein Offset im CAD tut im Grundsatz dasselbe: erst die Fläche um UZ versetzen, dann die halbe Toleranz beidseits abtragen.

Selbst ausprobieren

Der Durchlauf von UZ− bis UZ+ startet von selbst, sobald die Grafik im Bild ist. Toleranz und Versatz lassen sich jederzeit von Hand verstellen. Die Grafik zeigt das TEF mit dem Material darunter, das Referenzgeometrieelement als Strichpunktlinie und die Zone als blaue Fläche. Die beiden Kugeln sind die aus der Konstruktion oben.

Vorzeichen und Sonderfälle

Das Vorzeichen folgt dem Material. Ein Minus schiebt die Zone hinein, ein Plus hinaus. Auf einer Aussenkontur zeigt UZ+ vom Bauteil weg, in einer Bohrung zur Bohrungsachse hin. Wer das Vorzeichen an der Ansicht statt am Material festmacht, dreht die Zone um.

UZ = 0 Symmetrisch Die Angabe entspricht einer Profiltoleranz ohne UZ. Geschrieben wird ein Versatz von null nicht.
UZ = −t/2 Ganz im Material Die äussere Grenze fällt mit dem TEF zusammen. Die Istkontur darf nur zurückstehen, der Fall für Bearbeitungs- und Dichtflächen. Im Beispiel: 2.5 UZ−1.25.
UZ = +t/2 Ganz ausserhalb Die innere Grenze liegt auf dem TEF. Die Kontur darf nur überstehen, etwa als Aufmass für eine spätere Bearbeitung.
|UZ| > t/2 Zone ohne Berührung zum TEF Formal zulässig; das TEF liegt dann ausserhalb der zulässigen Kontur. Meist steht in diesem Fall die Nennkontur selbst am falschen Ort.
Symbol OZ, unspezifiziert versetzte Toleranzzone
OZ, kurz für offset zone, der unspezifizierte Versatz. Mit OZ darf die Zone um einen beliebigen Betrag verschoben liegen, gleichbleibend über das ganze Element. Geprüft wird damit die Form der Kontur; wie weit sie vom TEF entfernt liegt, bleibt frei. UZ legt Betrag und Richtung des Versatzes fest, OZ gibt beides frei.

Wer mit Zeichnungen nach ASME Y14.5 arbeitet, kennt das Prinzip vom Modifikator für die ungleich verteilte Profiltoleranz, dem U im Kreis. Die Schreibweise ist dort eine andere: Nach dem Symbol steht der Anteil der Toleranz, der ausserhalb des Materials liegt, ohne Vorzeichen. Beim Übertragen zwischen den beiden Systemen lohnt sich die Umrechnung auf Papier, bevor der Wert im Messprogramm landet.

Was das für Fertigung und Prüfung heisst

Fertigung. Die Mitte der Zone ist nicht mehr die Nennkontur. Wer bei 2.5 UZ−0.5 auf Nennmass fertigt, hat nach aussen 0.75 Luft und nach innen 1.75. Die Zielkontur gehört um 0.5 ins Material verschoben, dann steht die volle Toleranz zur Verfügung.

Prüfung. Die Messsoftware muss den Versatz kennen. Ein Programm, das die Zone symmetrisch um die CAD-Kontur legt, bewertet falsch: Es weist Teile zurück, die in der verschobenen Zone liegen, und nimmt Teile an, die aussen schon zu weit stehen. In der Auswertung erscheint UZ als Versatz der Nennkontur oder als eigener Eintrag bei der Profiltoleranz. Kennt die Software den Modifikator nicht, wird die Zone von Hand verschoben und der Schritt im Bericht dokumentiert. Bei der Messprogrammerstellung prüfen wir diesen Abgleich, bevor das erste Teil gemessen wird.

Zeichnung. UZ lohnt sich dort, wo die Funktion einseitig ist. Bei der Zeichnungsprüfung achten wir darauf, dass die Materialseite eindeutig aus der Zeichnung hervorgeht und dass Versatz und Toleranz zusammenpassen. Ein Versatz grösser als die halbe Toleranz ist ein Hinweis auf eine falsch gelegte Nennkontur.

Im Messbericht
Der Konformitätsentscheid fällt gegen die verschobene Zone. Im Protokoll steht, welcher Versatz angewendet wurde, damit der Entscheid nachvollziehbar bleibt. Das gilt für jede Auftragsmessung mit Profiltoleranzen.

Für die Praxis

Vorzeichen am Material festmachen: Minus ins Material, Plus heraus. Die Zeichnungsansicht sagt darüber nichts.
Die Zonengrenzen ausrechnen und in die Fertigungsvorgabe übernehmen: aussen UZ + t/2, innen UZ − t/2. Die Zielkontur liegt bei UZ.
Im Messprogramm die ausgewerteten Grenzen kontrollieren, bevor das erste Teil gemessen wird. Ein Blick auf die beiden Grenzwerte genügt.
Beim Wechsel zwischen ISO- und ASME-Zeichnungen die Angabe umrechnen und mit einem Beispielwert gegenprüfen.

UZ ist eine Zahl im Toleranzindikator, die Nennkontur, Zielkontur und Prüfzone gegeneinander verschiebt. Wer sie so liest, wie die Norm sie meint, hat alle drei wieder beieinander.

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Christian Schärer
Christian Schärer
Inhaber und Geschäftsleiter · Spezifikation, Zeichnungsprüfung und Prüfentscheide · Normenausschuss Swissmem NK1
Zuletzt fachlich geprüft 2. September 2026 · veröffentlicht 2. September 2026