So entsteht jeder Bezug: Filter [EM], dann Assoziation [GE]
Für einen Einzelbezug aus einer Ebene ist die Voreinstellung seit 2024 zweistufig. Zuerst das Filter [EM] aus Anhang J: Es entfernt Täler, die eine ideale Gegenfläche nie erreichen würde. Dann die Assoziation [GE] aus Tabelle A.2: die Linie mit der kleinsten Summe der Abstandsquadrate unter der Bedingung, dass sie ausserhalb des Materials liegt. Die Norm weist ausdrücklich darauf hin, dass [GE] nicht dasselbe ist wie [G+], die frei gerechnete Gauss-Linie, die anschliessend parallel nach aussen geschoben wird. Wie sich die Kriterien unterscheiden, zeigt der Beitrag Assoziation: Wie aus der realen Linie der Bezug wird.
Für den sekundären und den tertiären Bezug gilt dasselbe Kriterium, ergänzt um die Nebenbedingungen der Richtung (A.2.4.2). Beim tertiären Bezug ist die Richtung damit vollständig festgelegt. Vom Gauss-Kriterium bleibt nur noch die Verschiebung, bis das assoziierte Element das Material berührt: ein Berührpunkt statt einer Ausgleichsrechnung.
A | B | CB gibt die Richtung vor. Das Bauteil dreht, bis die gefilterte Unterkante mit kleinster Quadratsumme am Bezug anliegt. C wird rechtwinklig dazu angeschoben und berührt in einem Punkt.
A | C | BC gibt die Richtung vor. Jetzt liegt die rechte Kante an, die Unterkante berührt nur noch. Das Bezugssystem steht um den Winkelfehler zwischen den Kanten verdreht, die Bohrungsachse landet an einer anderen Stelle.
Für das Prüflabor heisst das: Die Reihenfolge im Toleranzrahmen ist keine Formalie. Sie legt fest, welche Kante das Bauteil ausrichtet, und damit den Prüfentscheid. In der Messprogrammerstellung bauen wir das Bezugssystem genau in dieser Reihenfolge auf und setzen Filter und Assoziationskriterium ausdrücklich, statt uns auf die Voreinstellung der Software zu verlassen. Bei der Auftragsmessung wenden wir die Reihenfolge so an, wie sie im Toleranzrahmen steht.
Die Positionsabweichung ist der Durchmesser des kleinsten Kreises um die Sollposition, der die Bohrungsachse einschliesst, also das Doppelte des Abstands zwischen Achse und Zonenmitte. Sie wird mit dem Toleranzwert Ø0.1 verglichen.